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Ein arbeitsreiches Leben findet seine Erfüllung

An der Grundschule Burgneudorf wurde am 30. Januar 2026 Abschied gefeiert: Schulleiterin Karin Weiß ging nach über 40 Berufsjahren in den Ruhestand. Die Grundschule leitete sie seit der Gründung 1992, also rund 34 Jahre lang.

Karin Weiß (63) ist in Neustadt/Spree aufgewachsen, hier steht ihr Elternhaus. Sie wohnt auch heute noch im Heimatort. In Burgneudorf ging sie selbst zur Schule, die damals noch eine Polytechnische Oberschule war, bis zum Abschluss der 10. Klasse. Ihr Berufswunsch war es schon immer, Lehrerin zu werden. Vier Jahre studierte sie am Institut für Lehrerbildung in Cottbus mit dem Abschluss Grundschullehrerin. In der DDR konnten sich die Neulehrer nicht aussuchen, wo sie unterrichten wollten, das lenkte der Staat nach Notwendigkeit. So verbrachte Karin Weiß ihre ersten fünf Berufsjahre in Guben und Hoyerswerda. 1988 ergab sich die Möglichkeit der Rückkehr an die Schule nach Burgneudorf und in das heimatliche Neustadt/Spree. Nach dem Babyjahr 1991 folgte der Neueinstieg ins Berufsleben, bald darauf wurde sie zur Schulleiterin ernannt, denn 1992 wurde aus der POS eine Grund- und eine Oberschule nach bundesdeutschem Gesetz.

Karin Weiß freut sich, dass viele ihrer einstigen Schülerinnen und Schüler die Eltern der heutigen Schulkinder sind. Das spricht für das ausgeprägte Heimatgefühl der Einwohner, viele blieben Spreetal treu oder kehrten wieder zurück. So wie sie einst selbst.

Manches im Berufsleben vergisst man nicht. Anfang der 2000er Jahre wurde die Oberschule geschlossen. Es folgte ein sich über Jahre hinziehender Umbau bei laufendem Betrieb der Grundschule. „Das war mehr als kräftezehrend“, erinnert sich Karin Weiß. Aus dem alten Schulhaus entstand die heutige Grundschule in voller Schönheit. Mit den allerbesten Lern-, Lehr- und Arbeitsbedingungen. „Da vergisst man die Strapazen dann bald“, so die scheidende Schulleiterin. Neu geordnet wurden auch die Schülereinzugsgebiete. Die Kinder kommen jetzt nicht nur aus den Spreetaler Ortsteilen, sondern auch aus den Lohsaer OT Weißkollm, Dreiweibern, Riegel und Tiegling sowie aus Sabrodt (Elsterheide). Mit dem Schulumbau entstand auch eine Buswendeschleife auf dem Gelände und der Schülerverkehr funktioniert in alle Richtungen. Selbst ehemalige Schüler können von hier aus zur Oberschule nach Schleife fahren.

In so einem Umfeld macht der Lehrerberuf natürlich Spaß und an Schülerinnen und Schülern mangelt es nicht. Aktuell sind es 100 Kinder in fünf Klassen, die von acht Lehrkräften unterrichtet werden. Drei von ihnen sind auch an andere Schulen zum Unterricht abgeordnet. Die Grundschule Burgneudorf hat einige Besonderheiten aufzuweisen. Dazu gehört das Angebot, mit freiwilliger Teilnahme als Fremdsprache Sorbisch zu lernen. Diese Tradition reicht bis in die DDR-Zeit zurück. Da unterrichtete bereits Karin Weiß ihre Mutti, die auch Lehrerin in Burgneudorf war, die Kinder im Fach Sorbisch. Heute stehen zwei Lehrerinnen für den Sorbischunterricht zur Verfügung. Karin Weiß war immer bemüht, diesen zu erhalten. Mit Erfolg, das Interesse der Kinder und Eltern daran ist momentan steigend. Als sehr vorteilhaft erweist sich auch der im Schulhaus ansässige Hort. Von der Zusammenarbeit in allen Belangen des Schulalltags profitieren vor allem die Kinder. Und noch etwas Gutes hat der Umbau des Schulgebäudes gebracht: Die Klassenzimmer wurden mit Blick ins Grüne und zur Spreeaue projektiert, das gestattet einen ruhigen und störungsfreien Unterrichtsbetrieb. Die Flure verlaufen an der anderen Gebäudeseite mit Blick auf die doch recht verkehrsreiche Kreisstraße. Hinzu kommt im Außenbereich ein neu gestaltetes grünes Klassenzimmer. Karin Weiß freut sich über so ein erfülltes Lehrerdasein.

Doch die Zeit und das Älterwerden bleiben nicht stehen. Karin Weiß war auch in der Gemeinde engagiert, seit 1990 als Gemeinderätin in der damals noch eigenständigen Gemeinde Neustadt, ab 1996 in der neu gegründeten Gemeinde Spreetal. Bald darauf wurde sie zur stellvertretenden ehrenamtlichen Bürgermeisterin gewählt. 33 Jahre war sie im Ehrenamt, bis sie meinte, das wird nun mal alles zu viel. 2023 war Schluss, obwohl sie immer die Unterstützung der Familie hinter sich wusste. Nun beendet Karin Weiß auch ihr Berufsleben. Rückblickend geht ihr Dank für die jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit an die Gemeindeverwaltung Spreetal, die Vereine, die Freiwilligen Feuerwehren und natürlich an alle Eltern und Großeltern. „Ohne sie alle gemeinsam wäre so manches Projekt zum Wohl der Kinder nicht möglich gewesen. Möge es auch zukünftig so bleiben“, das ist zum Abschied der größte Wunsch von Karin Weiß. Weil eine Schule auf dem Lande eben auch ein Stück Heimat ist.

Große Wünsche für die Zukunft hat Karin Weiß nicht. Zunächst einmal die Ruhe suchen und finden und gesund bleiben. „Alles andere kommt von allein“.

von Jost Schmidtchen